Heimat


… sie haben es kaputtgemacht.
Das Auenland zwischen Gera und Ronneburg. Sie kamen mit Äxten. Sie kamen mit Bohrern und Baggern .
Wühlten und gruben, mordeten die Landschaft, schädigten die Menschen.
Tilgten Dörfer von der Karte und hinterließen einen kontaminierten und vergifteten Landstrich.
Für Bomben und Raketen, waffenfähiges Uran.
Ein Beweis für Intelligenz und Vernunft der menschlichen Spezies.
Oh nein,  nicht aus dem Lande Morder kamen sie.
Aus dem Osten schon, jedoch aus der Sowjetunion...
Gerüstet mit merkwürdigen Apparaturen, suchten sie vom Erzgebirge aus nach etwas das sie geheimnisvoll "A9" nannten.
Das ist der militärische Code für Uran....

 
Es begann am 16.9.1945 und endete am 31.12.1990...

 

...und hinterließ das Land im traurigen Zustand. 

Man möchte es fast nicht glauben, aber mit dem was hier gefördert wurde,

machte die UDSSR maßgeblich das atomare Gleichgewicht des Schreckens.

Dann, in den 90ern war es bekanntlich damit vorbei.


Danach geschah etwas einzigartiges, etwas sehr Schönes, das mich durchaus nicht kaltlässt.
Denn sie haben es wieder repariert.

Nicht die Genossen, sondern jene die erkannten, das man es nicht lassen konnte wie es nach Beendigung des Bergbaues war.
Und auch nicht, wie es einmal ursprünglich war.
Das ist unmöglich.
Für immer verschwunden bleiben idyllische Dörfchen, wie Lichtenstein und Schmirchau, Gessen.
Langfristige Risiken durch verklappte Tailings, ein für immer veränderter Landstrich.
Es wird wohl ein  Kommunikationsproblem mit kommenden Generationen.
Dennoch berührte es mich, in diesen Tagen zu sehen, wie so viele mit Herzblut und unendlichen Fleiß, sich mühten das Land wieder
in Ordnung zu bringen.
Ein neues Auenland zu  machen, so schön es geht.
24.08.2019

 

Am 18. und 20.08.2019 machte ich zwei Ausflüge in eben jenes Gebiet zwischen Gera und Ronneburg.

Vielleicht ist noch erwähnenswert, das ich das benachbarte Gelände, nämlich das auf welchen die BUGA 2007 bereits in eben jenem Jahr besuchte.

Und das zu diesem Zeitpunkt auf dem Gelände des ehemaligen Tagebaus zu Lichtenberg noch die Rekultivierung in Gang war.

Vor 1990 jedoch durfte niemand das das gesamte Gebiet betreten, der nicht unmittelbar mit der WISMUT zu tun hatte.

Es war praktisch Sperrgebiet.

Ausgangspunkt ist Gera, Stadteil Pforten.

Und so begann es...

Das Portal nach Pforten war und ist der Wintergarten. Der hat eine eigene Geschichte und ist aktuell in diesem Zustand. Beklagenswert.

In der Mitte "das einsame Haus" und rechts der Artenschutzturm.

 

 

Gleich hinter Pforten kommt man nach Collis, und dahinter wiederum beginnt der kürzeste Weg zwischen Gera und Ronneburg.

DIESER WEG WAR VERSPERRT.

Fast 50 Jahre lang. Doch nicht die Toten haben ihn gehalten, sondern andere Mächte...

Nun ist er wieder frei.

Das ist der Eingang ins Gessental, in diesen Tagen.

Dieses kleine Tal hat der Gessenbach, vor geologischen Zeiten geschnitten. Lange bevor die Menschen Hand daran legten.

Ganz rechts sieht man ein Zeugnis dafür, was unterirdisch passiert. Dort strömt noch für lange Zeit Grubenwasser...

Welches unter anderem hier aufbereitet werden muß.

Bereits nach wenigen Kilometern gelangt man zur anderen Talseite. Schwer zu glauben das genau hier der Rand eines riesigen 250m tiefen Loches war.

Etwa 1,5 km x 1 km groß. 

Im Bild ganz rechts sieht man einen Damm. Dieser war die Begrenzung des Gessentals auf der Ronneburger Seite.

Genau an der Stelle unterhalb der Bahnbrücke wurde das Tal wieder geöffnet, denn auch dieser Weg war versperrt.

Das linke Bild zeigt den Drachenschwanz, eine Brücke, welche anläßlich der BUGA 2007 errichtet wurde.

Wir kommen nochmal hierher zurück und gehen weiter bis man Ronneburg erreicht.

Das hieß früher einmal "Bad Ronneburg", war also ein Kurort, ob seiner idyllischen Lage ,

und vor allem des Radonbades wegen, wovon es nicht sehr viele gibt.

Aus dem Gessental heraus, sieht man als erstes das Schloß zu Ronneburg.

eine kleine Anhöhe nur ist zu überwinden und man befindet auf dem Schloßgelände.

Dort befinden sich ein Museum und auf der anderen Seite das Rittergut, welches ebenfalls im Rahmen der Mittel zu BUGA2007 wieder restauriert und zu Teilen neu aufgebaut wurde.

Ganz links der Bilck vom Schloß auf die Altstadt. 

 

Dieses abfotografierte Bild zeigt den Anblick, der sich bot wenn man vor 1990 vom Schlossgelände aus in Richtung Gera, also ins verschlossene Gessental blickt. Dort befand sich der Tagebau, geschützt vor Blicken.

Offiziell sollte der Damm auch Staub, etc von Ronneburg weghalten, was jedoch nur teilweise gelang, weil allein der WISMUT Verkehr durch Ronneburg ging und den Ort in ein gefährliches Drecknest verwandelte.

Mit einem Kurort hatte die kleine Stadt natürlich nichts mehr zu tun.

Im Bild darunter sieht man nun das wieder geöffnete Tal, von der Ronneburger Seite aus.

Am zweiten Tag wandte ich mich mehr dem Gelände des ehemaligen Tagebaus zu und erkundete die Änderungen, die nach 2010 vorgenommen wurden.

Zunächst interessierte mich das BUGA Gelände selbst, genauer gesagt der zu Ronneburg gehörige Teil. 

Für einen Bewohner Berlins eine Wohltat an Ruhe, Sauberkeit und nicht funktionierenden Ticketautomaten ;-)

Der Blick vom Drachenschwanz aus auf den gepflanzten Schriftzug, am Rande des ehemaligen Tagebaus.

Von diesem Moment an, und wenn man den folgenden Pfad geht, wird man zunehmend mit der Vergangenheit konfrontiert.

 

Dieser führt direkt auf das ehemalige Tagebaugelände.

Linkerhand sieht man die Schmirchauer Höhe, ein künstlicher Hügel, genau dort wo einst der kleine Ort Schmirchau lag.

Das linke Bild zeigt einen Blick auf die "Lichtenberger Kanten" , Teil einer künstlich angelegten Kulturlandschaft.

Die Kanten bestehen aus drei Terrassen von insgesamt ca. 1km Länge bepflanzt mit etwas weniger als 130 Stieleichen.

Das harte Profil aus Steilböschungen und Plateaus soll auf technisch ästhetische Weise an die Bermen des Tagesbaues erinnern.

Es ist genau dieser Geländebereich, wo noch bis 2003 die Nordhalde des Tagebaues stand.

Diese wurde abgetragen, und allein für die "Kanten" waren ca. 400.000 Kubikmeter Erdstoff im Massenausgleich zu bewegen.

Oberhalb der höchsten Reihe kann man den Radweg "Thüringer Städtekette" erkennen.

 

Bewegt man sich weiter auf die Schmirchauer Höhe hin, bekommt man die folgende Anblicke. 

Der Blick zurück auf das BUGA Gelände, der Blick auf den besagten Radweg zur Gedächtniskapelle und zur noch eine Ansicht der Lichtenberger Kanten.

Zunächst orientierte ich mich weiter zur Höhe. Dort findet man auf halben Wege ein sehr liebevoll gemachten kleines Freilichtmuseum, das viele, oder alle der von der SDAG Wismut errichten Förderanlagen zeigt.

Man muss dazu wissen, das außer dem Tagebau auch zahlreiche Tiefbauschächte betrieben wurden.

Sie waren gründlich., wollten alles.

Für 1 Gramm Uran, musste eine Tonne Gemenge gefördert werden.

Uranerz das dann zu waffenfähigen Uran 235  an Ort und Stelle, in nahegelegenen Selingenstadt, produziert wurde.

In einem Prozess, der hochkontaminierte Schlammteiche in der Landschaft hinterließ, deren Abwehungen sehr gefährlich waren.

Dinge, die einem durch den Kopf gehen, wenn man sich hier aufhält. 

Weiter hoch gehts nun nicht mehr, ein Zwischenziel ist erreicht ;-)

Diese überdimensionale Grubenlampe ist eine neue Landmarke,

Denkmal, und Aussichtturm.

"Geleucht" nannten die Wismutkumpel dieses Licht.

Neben der schönen Fernsicht erwartet einen sehr viel Informationsmaterial

in Bild und Text.

Im Fundament des Turmes befindet sich eine verglaste "Zeitkapsel" .

Ein kleines Gelass im Boden, welches Zeitdokumente enthält.

 

 

 

 

Der Turm selbst ist begehbar bis zu einer Aussichtsplattform.

Auffällig die unzähligen Details, die Sorgfalt bis ins Kleinste.

 

 

Durch den guten Überblick bietet sich hier auch abfotografiertes Motiv an, das einen Einblick bietet wie es hier aussah, als Uran gefördert wurde.

Umblicked sieht man das Ergebnis enormer erfolgreicher Bemühungen, das was hier an Natur und Landschaft zerstört wurde, so es nur geht wieder zu rekultivieren. Links das kleine Dörfchen Kauern, in der Mitte die begehbare Karte und rechte die Aufstandsfläche einer der zahlreichen Halden, wo jetzt Solarenergie gewonnen wird.

Auf dem linken Bild in der Ferne sieht man außerdem bereits Gera (Stadtteil Lusan) . 

Noch einmal ein Bild vom Geleucht und ich komme dem besagten Radweg oberhalb der Lichtenberger Kanten, zum Endpunkt meiner kleinen Wanderung.

Der 2011 errichteten Gedächtniskapelle.

Ihre Existenz geht besonders auf das Engagement eines Pfarrers zurück, der in der Dokumentation auch namentlich genannt wird.

 

Die Kappelle ist offen und ich verweilte hier und drinnen ohne jede Eile um zu gedenken, und zu verarbeiten was hier in so vielen Jahren passierte.

Als mehr oder weniger Ortsansässiger wurde mir einmal mehr bewußt, was in meiner unmittelbaren Nähe geschah.

Sehr viel Offenbarung, ob dessen was geheimgehalten wurde, seitens der Behörden.

Als Wahlberliner fielen mir auch Dinge auf, die man dort gar nicht mehr so häufig findet.

Neben den unzähligen Details, sowohl auf der Höhe, als auch in der Kapelle, die auf ein nicht geringes Maß an Herzblut und Aufopferung hinweisen.

Obwohl auch die Kapelle bereits seit ca. 8 Jahren dasteht...

Alles hier ist so still, sauber und offen.

Offen, bedeutet auch das man seitens der Wismut so umfangreich informiert.

Kein Wachmann der aufpassen muss das keiner  was verunstaltet, zerstört, oder beschmiert.

Kein Fotoverbot, keine Regelungen, Ermahnungen etc.

Ich denke, der Ort gebietet es durch sich selbst, und jene die hierher finden erkennen es, und beherzigen es.

Ich hoffe und glaube das dies alles so bleiben möge wie es nun ist.

Was geschehen ist, ist geschehen... wir können zerstören und wir können auch wieder etwas Schönes daraus machen.

Das Schwert das die Wunde schlägt, vermag sie auch zu heilen... glaub das steht irgendwo in der Bibel...

 

DAS musste ich verfassen und bebildern, damit der eine oder andere mehr davon erfährt.

Und ganz nebenbei ist es sicher ein Geheimtipp, für Leute die sich für Landschaftgeschichte  interessieren,

und sich nebenbei nach Ruhe, Besinnlichkeit, und einer Art von Frieden sehen, den man zunehmend weniger finden kann.

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