Das letzte seiner Art....


...in der Tradition der dbx-Tapedecks von Technics ist das RS-B965.
Baujahr dürfte so um 1991 sein, wie lange es produziert wurde, ist mir nicht bekannt.
Vermutlich gab es bei der Geburt Probleme in den Wehen, denn...
...fest steht, das die neue Baureihe im 1989/90er Katalog mit dem RS-B755 der audiophilen Kundschaft vorgestellt wurde.
Damit war jenes praktisch "unfreiwillig" für kurz Top-of-the-Line Deck der neuen Serie, weil dato der gesamte Hofstaat der Technics-Kassettendecks nach wie vor von der Königin der Vorgängerreihe, dem B905 angeführt wurde.
Erst ca. ein Jahr später flog sie vom Thron und aus dem Katalog, und das RS-B965 wurde nun an die Spitze der Baureihe gesetzt.

Doch auch das B755 gab es nun nicht mehr. Es nannte sich nun RS-B765-PXS CAP, weil es in den Genuss eines Kondensator-upgrade kam, vornehmlich zweier Elkos in der Stromversorgung.
Mehr Unterschiede habe ich bis heute zwischen den beiden nicht entdecken können) . 
Noch mal ein wenig später kam dann die Premium Variante des B965 als
RS-B900 im champagnerfarbenen Kleid, honiggelber Pegelanzeige und Holz-Seitenpanelen dazu. Dazu war es fernbedienbar und hatte ein modifiziertes Netzteil.

Augenscheinlich bestand diese Modifikation darin das im Netzteil vom RS-B900 zwei Elkos mehr drin sind. S. leere Stellen beim RS-B965.
Aber bleiben wir bei der "Volks-Version" mit technicsbrauner Metallblende und schwarzen Plastik-Bedienelementen - Igittigitt. (Aussgenommen der Aufnahme-Pegelsteller mit Metallhaut). 

Gut möglich das damals schon die ersten Fans die Nasen deswegen rümpften, weil die Vorgänger so billig nicht wirkten.

Aber wirklich billig war es mit seinen ca. 1000 DM nicht, die man dafür im Laden zurücklassen musste.
Auch das Design ist nicht jedermanns Geschmack.

Völlig zu Unrecht wie ich meine. Und wohl andere auch, greift es im (Gebraucht)Preis doch zunehmend das 905 an und überholt es es des öfteren.

Zusammen mit seinem Vorgänger, dem RS-B905 und dessen Vorgänger, dem RS-B100 gehört es zum Trio der 3-köpfigen dbx Maschinen mit Doppelcapstan von Technics in Europa.

Es sind nur diese 3 ;-)
Übrigens, das die Bandantriebe (Zwei) nicht in einer Basis aus Alu-Druckguss gebettet sind... ist eine Mär.
Lieblingsszitat Ebay-Spruch übers 905: "besser als B965, weil Alu-Druckguss Chassis"...

Die Bilder weiter unten belegen etwas anderes.

Dieses Gerät kam 2002 zu mir.

Es trägt die Seriennnummer FJ0HB04098.

Es wurde im Rahmen dieser Publikation vollständig gereinigt, überholt, geprüft und gewartet.

Es hat mir sehr viel Spass bereitet das zu tun :-)

Denn, macht man es auf, dann zeigt sich wohin die Entwicklung seit dem M95 und dem B100 weiterging. Nichts mehr von den "Drahtverhauen" vergangener Zeiten.
Wobei, die Konkurrenz da noch ganz andere Sachen präsentierte. Das Gerät gleicht einen Lego-Baukasten und lässt sich kinderleicht zerlegen.
Es wirkt auf mich rockstabil, solide, aufgeräumt und wertig konstruiert.
Fast alle Audioschaltungen (abgesehen von den beiden Dolby-IS, die diesmal von Sony und nicht von Philips sind, und paar OPVs) in diskreter Ausführung.
Die Hauptplatine reichte nicht aus um das alles unterzubringen und so wurde der Aufnahmeverstärker und die Dolby eines der beiden Kanäle auf Tochterplatinen ausgelagert.
Diesmal sogar ordentlich mit dicken Blechen abgeschirmt, genauso wie die Elektronik der Anzeige und Tastatur.
Diese Bleche, sowie das etwas stärkere Netzteil und der Take-up Capstan ergeben das Mehrgewicht von 1,1 Kilo gegenüber der kleineren Schwester.
Und nicht zu vergessen die Basis aus Alu-Druckguss :-)


Womit wir am Laufwerk sind. Es ist im Grunde das gleiche wie im RS-B755.
Kopfbestückung, Antrieb, Wickelmechanik sowie die quarzreferenzierte Regelung des Hauptcapstan sind nahezu identisch.
Hinzugefügt wurden der per Riemen am Hauptcapstan angebundene Take-up Capstan, die dazu gehörige Andruckrolle und ein komisches Plastkteil am linken Wickelteller, das den "Nachlauf" kontrollieren könnte.

Beide Capstan sind in eine Platte aus Alu-Druckguss eingebaut über welcher sich der Kopfschlitten befindet.
Interessant ist, das sich der Gleichlauf gegenüber dem Vorgänger B905 um 0,01 Prozent auf 0,03 verbesserte gegenüber dem B100 jedoch um etwa das gleiche verschlechterte (0,022% ) .
Vermutlich hatte das B100 mehr Masse an den Capstans gegenüber dem 905, aber das B965 definitiv den Fortschrittlichsten Antrieb.
Ob die Unterschiede hörbar sind ?

Am Klang scheiden sich wahrscheinlich die Geister.

Dem aufwändigen Schaltungsaufbau nach müßte es eigentlich erste Sahne klingen.

Die NR Werte (bis 92db bei dbx sind beindruckend und identisch zu beiden Vorgängern) .

Manche mögen dbx nicht, weil sie "Rauschfahnen" hören.
Mir scheint es ein wenig "matt" im Klang wenn ich Aufnahmen im Vergleich zum B905 höre.
Aber das ist gemessen an meinen Gehör, jammern auf hohen Niveau.

An sich allein gehört klingt es wirklich gut.

Geradezu genial ist die Möglichleit der Einmassung auf die jeweilig im Fach steckende Kassette. Wozu ?
Ähnlich wie bei Filmen, (?)  - ja so was gabs auch mal, unterliegt das Bandmaterial Fertigungsdifferenzen innerhalb einer jeden der drei Klassen ("Normal", Chromdioxid" und "Metal" ) .

Besonders von Hersteller zu Hersteller, von denen es ja haufenweise gab. Ohne die Möglichkeit des Einmessens konnte es nun passieren das die Musik von einer Sony-UX "anders" klang als von einer TDK-SA, beides CrO2 Typen aber mit verschiedenen Rezepturen hergestellt.
Um das weitgehend auszugleichen verfügte RS-B965 (wie andere auch) über einen Einmesscomputer.

Dabei wurden Testtöne generiert, aufgenommen und die Pegel verglichen.

Das Ergebnis wurde über die Anzeige ausgegeben und konnte dann mit den Drehreglern für die Vormagnetisierung und der Pegeldiffernz für diese Kassette eingestellt werden.

Allein... schaut man ein wenig nach findet man einen sehr interessanten und einfach machbaren Mod (Modifikation).
Diese setzt an den elektronischen Umschaltern (MN4066B)an, so zum Beispiel am Rec. Amp Input Selector.
Sie sind als CMOS-IS ausgeführt und haben, für Schalter, ziemlich hohe Widerstände, welche das Signal durch Verzerrungen verschlechtern.
Angeblich eiern nichtlineare  Widerstände zwischen 70 und 150 Ohm auf den Schalter herum.
Im Datenblatt des fünf mal verbauten MN4066B von Panasonic habe ich sogar 70-300 Ohm gelesen.
Man könnte meinen die beginnende Sparerei und Nachlässigkeit zu ungunsten dem maximal Machbaren zeigt hier ihre Vorboten.
Es hätten wohl seinerzeit schon bessere Chips wie diese zur Verfügung gestanden.
Heute könnte man sicher leicht etwas in der Art 74HC4066; 74HCT4066 nehmen, falls sie mit der Spannung klar kommen.
Deren Widerstandswerte schauen jedenfalls jedenfalls recht konstant (z.B. 50 Ohm bei 9 V).
Um herauszufinden ob da was dran ist, werde ich den Mod aber wohl selbst einbauen müssen, weil objektive Informationen schwer zu kriegen sind. 
Die Transistoren welche den jeweils nicht genutzten Eingang abdämpfen sollen, jedoch auch das Tonsignal negativ beeinflussen werden ebenfalls raus genommen und durch Konstanten im EC Pfad ersetzt.
Auch wurden etliche OPV verändert.

Im Detail wird die Anpassung hier beschrieben. 

Der Urheber (und geistige Vater) des ganzen, Alex Nikitin, wirkt keinesfalls wie ein Goldohr mit Vodoogesäusel.
Im Ergebnis dessen, so sagt er, ist das B965 dem Klang nach eines der besten Decks die er gehört hat.

Alex Nikitin ist ein Querdenker und Quell unorthodoxer Ideen, was Schaltungen in Audiogeräten angeht.
Eines seiner Kabinettstückchen ist der ANT4066, jener Chip mit den vier elektronischen Schaltern, mit welchen man den MN4066B ersetzt.
Mit mehr 25 Erfahrung in Sachen analoge Audioelektronik kennt er sich wohl bestens in diesem Metier aus.
Fast 10 Jahre war er bei Creek Audio, fünf davon als leitender Ingenieur .
Heute hat er eine kleine Firma A.N.T. Audio inne.
http://www.ant-audio.co.uk/
Auf meiner Suche nach Informationen über das B965 "stolperte" ich förmlich über seine Postings, die mir auf Anhieb gefielen und sehr logisch sind. Da steckt viel Hirnschmalz drin ;-)

 

Alles in allen ist das RS-B965 eines der schönsten und gelungensten Geräte von Technics.

Allein durch seine Zuverlässigkeit.

Bekannte Probleme sind das "Tipptastenproblem" durch Belag an den Schaltkontakten der verbauten Mikrotaster, das besonders dann auftreten kann, wenn jahrelang keine Benutzung erfolgte.
Führt zu Fehlinterpretationen von Funktionen durch den Mikrocontroller, der selbst jedoch in dem Fall nicht defekt ist, sondern lediglich eine "andere Funktion erkennt"

Es ist völlig sinnlos, den Mikro-Controller wechseln zu wollen, da nicht er, sondern die Mikrotaster selbst das Problem sind.
(Es legt sich bei "Widerbenutzung" jedoch in der Regel von selbst, bzw. kann durch Austausch der Mikrotaster behoben werden).

 


Die Akte "RS-B965" ist für mich noch nicht geschlossen und damit dieses Seite auch nicht.