ein weiteres einmaliges Modell, zumindest außerhalb von Fernost, war der einzige hybride Vollverstärker mit Klangregelung und Loudness-Funktion SU-V90D. Seine Digitalsektion entsprach weitgehend der des Vorverstärkers SU-A60 . Allerdings gab es noch die SU-MA10 die aber eher ein Endstufenhybrid war, weil sie keine Klangregelung besitzt. Näher kam dem schon der SU-V100D, der aber in Europa nicht erhältlich war.

Rein äußerlich fast gleich sind sie im Innenaufbau sehr verschieden. Allein schon deswegen, weil der SU-V100D im Twin-Mono-Design aufgebaut war.

Dagegen wirkte der SU-V90D schon fast abgespeckt und liefert nahezu nur ca. die halbe Leistung. Trotzdem ist er ein sehr feines und aufwendig gebautes Teil mit ca. 15 gezählten Platinen, 4DACs mit 3 Samplingfrequenzen (32kHZ, 44,1 kHz und 48 kHz) im Digitalteil und zahlreichen Anschlussmöglichkeiten.

Die Endstufe ist Technics-typisch in Class AA/VC-4 Auslegung gefertigt und  liefert 2x150W an 4 Ohm, bei einem Klirrfaktor von 0,0007 % bezogen auf 1KHz.

Leider gab es ein kleines Designproblem bei diesem Gerät, so das ich im Zuge einer Reparatur gezwungen war, zwei besonders "hitzige" Transistoren der Vorstufe kurzerhand an die Hauptkühlung "auszulagern" wie auf nachfolgenden Fotos zu sehen ist.

Aber gerade dieses (vom Vorbesitzer leider etwas stiefmütterlich behandelten) Exemplar mag ich und er steht nun im meinen Arbeitszimmer und läuft dort fast täglich mit seinen sehr schönen Klang an zwei (ebenfalls sehr seltenen) Canton Ergo 302.

Die Fotos nachfolgend stammen übrigens von zwei Exemplaren (das zweite ist ein optischer Leckerbissen das ich bis auf weitere aufhebe und ab und an zur Pflege der Elkos mal gegen Nummer 1 tausche. 

 

Technics SU-V90D
Technics SU-V90D

Das V90 Desaster

Ein scharfer Knall, beizender Geruch, bisschen Rauch und schon war Ruhe 

im Verstärker.

 

Mutmaßliche Ursache war ein Spannungsdurchschlag im Elko C459.

Der hängt zwischen 61,2V und Masse .
Sauber explodiert,
sprich die Kappe flog mit Knall weg und der Stummel mit bisschen Dilektrikumwatte war noch auf dem PCB.
Während des Aufheizens von C459 war dann wohl für ein Paar Millisekunden ein schöner Kurzschluss auf der Platine.
Augenscheinlich gegrillt hat es die Wiederstände R576 und R448.
Die haben ein gut Teil Strom verbraucht.
Ebenso das Endpärchen vom Voltage Amp. (Q418, Q420) .
Laut Tester sind die auf jeden Fall hin.
 Ebenso Q422.

 

Diese Baustelle werde ich später aufräumen, da ich dafür zunächst aufrüsten muss, was das matchen von Transistoren betrifft.

Zwar kann die defekten Bauteile nachbestellen, aber was man bekommt, ist auszumessen, und in wie fern mein kleiner DCA75 dafür ausreicht, kann ich jetzt noch 

nicht sagen.

Man muss die Kennlienien der Transistoren aufnehmen, und Kennlienienschreiber kann man nicht einfach kaufen.

Ich werde mir was bauen müssen.

Nun gilt meine Sorge den beiden SU-V90 meiner Sammlung, wo natürlich derartiges nicht haben will.

Inzwischen haben beide kleine Macken, was sich in zeitweisen Kanalausfällen äußert.

Das beginnt in der Regel das der Ton plötzlich stark verzerrt, als ob eine Spannung irgendwo einbricht.

Bei einem kam es dann dazu das es knallte.

Glücklicherweise hatte ich vor Jahren mal einen SU-V90, dessen Gehäuse total ramponiert war in seinen Teilen eingelagert.

(Obendrein war die Digitalsektion ohne Funktion, was auch mal noch zu debuggen ist. ) 

Summasummarum konnte ich seinerzeit zunächst wieder ein Gerät komplettieren, jedoch kam auch da die Krächzserei auf dem rechten Kanal auf.

Davon abgesehen habe ich auch im Wissen um obigen Vorfall, hatte ich nun keinen rechten Spass mehr am Betrieb.

 

 

 

Also machte ich mich dran die Kiste aufzureißen, zu zerlegen um mich dem Haupt-PCB zu widmen, was die Lötstellen und Elkos betrifft.

Nach vielen probieren der Steckverbinder,  Potis, Schalter auf Kontaktprobleme hin, vermute ich stark das Ärgernis kommt von da.

Dazu muß es natürlich ausgebaut werden. 

Bei Technics ist bekanntlich einiges gesteckt, aber die Kabel für Stromversorgung und Ausgang müssen abgelötet werden.

Es macht sich sinnvoll, die Kabel Positionen zu dokumentieren, um zu wissen wie man sie später wieder anlötet.

Hier offenbaren sich auch bereits erste thermische Schwachstellen bei R575, R576 die wohl zu Rückkopplung gehören.

Jedenfalls liegt auf denen die Ausgangslast

Sowie auch R619, R620 dito. Mir ist unbegreiflich, warum hier einerseits ein Draht-, und für das Pendant ein Zementwiderstand eingesetzt sind.

Weitere "Brutherde" sind Q451, und Q451 die, so ich sehen kann, als Spannungsregulatoren für den Eingangsverstärker und auch für den Voltage Amp, fungieren.

 

Alles in allen kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, das Technics sich bei diesem PCB nicht mit Ruhm bekleckert hat.

Sein Design geht anscheinend auf das vom SU-V80 zurück, und wird auch weitgehend im SU-V85 verwendet. Was auch immer man hier vorhatte, es riecht mir ein bisschen nach dem Wunsch ein günstiges PCB zu bauen.

(Der V90D ist, oberflächlich gesehen ein V80/V85 ergänzt um die Digitalsektion. An deren Design nun gar nichts zu meckern ist. Diese ist weitgehend verbaut in SU-A60, SU-V100D, SE-M100 und was weiß ich noch wo. )

Was auch darauf hindeutet, ist die Siebung mit minimal 2 Elkos, nur ein Schutzrelais, und die unverstärkten Endtransistorpaare.

Also nur ein Paar pro Kanal, was bei vielen günstigen Vollverstärkern Standard ist, aber auch im solchen hat Technics oft genug Doppelpaare eingesetzt.

Allerdings griffen sie in dieser Kiste zu den brachialen SC3281/SA1302 von Toshiba, deren Vorgänger auch u.a. in SE-A5, SE-A100 stecken.

Und all das tut  dem keinen Abbruch, das was letztendlich hinten rauskommt ohne Fehl und Tadel ist. 

Selbst zum SE-A100 höre ich da keinen Unterschied, solange es um "normale" Pegel geht. Für Wohnzimmer/Arbeitszimmergebrauch.

Einer der Gründe warum ich den SU-V90 so liebe. ;-) 

 

Das ausgebaute PCB sah ich mir nun gründlich an.

Dabei mit Wärmeleitpaste von den Endtranstoren kratzen. 

Ich finde bei diesen TO-3PL sind Glimmerscheiben nicht optimal, da sie eigentlich eher für TO-3 sinnvoll sind, wo der Transistor ja mit 2 Schrauben 

am Kühlblech sitzt.

(Bei dem hat Technics auch im SU-V90 nicht gegeizt . ;-) )

Wenn man sie dennoch für TO3-PL einsetzt, sollte man eigentlich ein Drehmoment Werkzeug verwenden .

Da mir das alles, zusammen mit der Wärmeleitpastenpamperei zu stressig ist, setzte ich auf Silikonpads.

Und...Es wäre nicht der erste Durchschlag durch eine schlampig verbaute Glimmerscheibe, wie Ihr hier  sehen könnt..

Also schön sauberputzen, und die alten Elkos runter, die mit über 30 Jahren auf dieser "heißen" Platine sicher genug haben.

Vor allem (mindestens (!) jedoch den kritischen C459 1uf/100v  !

Der Rest ist Glaubenssache.

Gemessen habe auf den ausgelöteten 12000ern noch knapp 9000uf und auf den beiden 4700ern noch ca. 3800 uf.

Die ESR waren jedoch noch sehr gut.

Das alles, so weit ich dem LCR 4080 Glauben schenken darf. ;-)

Optisch deutlich angeschlagen war aber schon der erwähnte C459, wenn man sich die Füßchen mal genau ansieht.

 

Für die Rückstandsflecken auf dem PCB muss ich mich entschuldigen, normal bekomme ich auch die runter.

Allerdings war meine LS am Ende und dieses PCB ist auch recht heikel, leider … 

Obendrein dient es mir quasi als "Test" für das später noch herzurichtende Sammlerstück und so möge mir die kleine Schlamperei verziehen sein.

Verwendet werden, auch wieder aus Glaubensgründen, soweit erhältlich, für Audio zertifizierte Elkos von Nichicon.

Vorzugweise UKx Series. "Muse" bzw. "Fine Gold" .

Aus Glaubensgründen deswegen, weil ich drauf vertraue das Nichicon sich den guten Ruf verdient hat, und z.B. bei Accuphase ebenfalls Nichicon verbaut wird.

Kostet sicher ne Kleinigkeit mehr, aber ich muss ja nicht in Massen kalkulieren ;-) .

Bei der Siebung für die Leistungssektion, kommen wieder  CDEs rein, die nun schon gut über ein Jahr auch im A100 drin sind.

Außerdem gibt's keine vernünftige Alternative.

 

Rückseitg wird die Platine nun chemisch gereinigt.

Damit verschwinden alle Flußmittelrückstände und die Lötstellen werden gnadenlos freigelegt.

Vor der Schutzlackierung gibt's nochmal viel Muße mit der großen Lupe, wo ich mir die Lötstellen eine nach der anderen inspiziere und ggfls. nachlöte wo mir was nicht gefällt.

Danach kommen die Anschlußkabel wieder dran und der Schutzlack drauf. 

Ich verwende "Plastik 70" , kann ich auch empfehlen, der trocknet fix, isoliert sehr gut und ist durchlötbar.

Könnte bisschen besser fließen. Darum probiere ich zukünftig mal  "Plastik 70 Super" um, der ist bisschen teurer. Mal sehen.

Nun, das dies quasi mein "Arbeitsverstärker" ist, verstoße ich erneut gegen mein Gebot den Originalzustand eines Geräte zu erhalten, und versehe das massive Bodenblech auch gleich noch mit schwarzen Acryllack, damit es schöner aussieht. Für die Wärmeabsorbtion kanns auch nicht verkehrt sein.

Bei den ganz tollen Technics-Apparaten gibt's so was natürlich ab Werk.

Dann allerdings richtig schön beschichtet.

Ohnehin habe ich bei dieser Kiste bereits bisschen gebastelt, indem ich ja schon die Spannungsstabilisierung für den Tone-Amp. von hinter der Frontblende auf ein separates Kühlblech "verlagert" habe.

Auch damit haben sie sich keine Ehre eingelegt.

Bewährt sich sehr gut. Die Frontblende bleibt jetzt kalt und die Transistoren 

werden nur noch handwarm.

Bei der Gelegenheit verbessere ich hier auch gleich noch die Anschlüsse.

Danach kommt der gemütliche Teil, wo der Amp wieder zusammengesetzt werden darf.

Etwas das ich natürlich sehr gern tue, wenn aus dem Teile Haufen wieder 

ein Ganzes wird.

Wollen wir hoffen das es auch funktioniert.

Am Ende steht er nun wieder da, und wider bangen Erwartens funktioniert der Amp auf Anhieb. 

Eigentlich ein Grund sich ein Bierchen aufzumachen … :-)

Hier hab ich mal versucht eine Art Gesamt-Innen Ansicht zu knipsen.

Jetzt lasse ich den Verstärker erst mal bisschen dauerlaufen. 

Wollen mal sehen, ob er stundenlag durchläuft, ohne die alten Symptome.

Dabei bekommen auch die neuen Elkos ihre Formierung. 

Das hat nichts mit "Einspielen" und Voodoquatsch zu tun.

Vielmehr läuft im Inneren eines Elkos unter Spannung ein chemischer Prozess ab, bei dem sich das Dielekrikum (das beim Elko ein Qxid ist),

regeneriert. Diesem sollte man paar Stunden geben.

Und - dieser Prozess hat, neben der Ripplestrombelastung und Umgebungswärme, auch Einfluss auf die Lebensdauer dieser Bauteile.

Ich werde dann mal noch die im SM vorgegebenen Messungen vornehmen, und noch weiteres dem Artikel beifügen.

Desgleichen auch noch paar Bilder der Digitalsektion, denn die ist ein Technics-Meisterwerk. :-)