... Die Perle ....

 

 

 

 

 

...ein Technics RS-B100 aus 1984 ist als Sammlerstück gut gefragt und ziemlich rar.

Taucht mal eins irgendwo auf, tummeln sich sofort Interessenten darum und jagen den Preis in die Höhe.

 

(!!!) ICH BIN KEIN VERKÄUFER AUF EBAY, oder EBAY-KLEINANZEIGEN, kann aber nicht vermeiden das meine Seite von anderen Leuten verlinkt wird.

 

das hier dokumentierte RS-B100 hat die

SERIENUMMER: AD6701B022 .

 

Zur perfekten Ausstattung gehören  neben dem  Gerät die Originalbedienungsanleitung , BEIDE Aufnahmepegelknöpfe , nämlich Schwarz UND Silber, sowie der Originalkarton und eine Kaufrechnung.

 

TIPP:

Gehe immer von einer Expertise eines von Emotionen freien Menschen aus ;-)

 

Das und anderes dämpfte seinerzeit meine  Motivation beträchtlich, und ich hätte jede Wette gemacht, das es buchstäblich ganz und gar unmöglich sei - Anno 2015 noch so ein solch eine Rarität in akzeptabler Kondition in die Hände zu bekommen.

 

Es war wirklich ein liebenswürdiger Mensch, kein Händler, der es mir überließ,  und das geringste an Respekt was zu tun mir bleibt ist, so gut ich vermag, ein paar Impressionen, und Eindrücke zu veröffentlichen.

Technics RS-B100
Technics RS-B100
Technics RS-B100
Technics RS-B100

Darum hatte das schon was von einem Traum, als es an jenen Tag im August 2015  leibhaftig und zum  Anfassen vor mir auf einem schlichten Küchentisch stand.
Der es mir überließ, war Zweitbesitzer, hatte es von seinen Bruder und es eine Zeitlang als "Vitrinengerät" betrieben.

Ein magischer Moment es hochzuheben um es mit zu nehmen,
denn obwohl es nur 5,6 Kg hat, fühlt es sich aufgrund seiner Kompaktheit ziemlich schwer an.

Das noch nicht mal ganz 10cm hohe und 27cm tiefe (bei "Rastermaß 430mm) hat ein sehr flaches Design.

Die Frontscheibe der Kassettenklappe ist zwar aus Kunststoff aber gut 7mm dick und neben der Beleuchtung im Inneren und dem 3 farbigen Display eines der Highlights.

Technics RS-B100
Technics RS-B100

Was ist seine Magie ??
Es ist unstrittig eines der schönsten, neben RS-M95 und RS-9900US, auch teuersten, aufwändigsten und bestklingenden Geräte von Matsushita.
Aus dem Grund ist es eben leider so selten geworden. Sammler (wie ich) rücken sie nicht raus, und viele "sterben" auch.

Fast jeder Tape-Nerd kennt es, und neben Nakamichis Top Maschinen, dem besten von Pioneer oder High Endigen Teilen von Accuphase - wie kann es sich da behaupten ?
Nicht zu vergessen die guten Revox (Studer), Akai, Sansui, Sony, Kennwood und... und..und.
Einige Merkmale sind ihm jedoch eigen...
Technisch siehts es so aus, das es mit eines der bestausgestatteten Tapedecks ist, welche je bei Matsushita in  Osaka vom Band liefen.

Technics RS-B100
Technics RS-B100

3NR - steht dafür das mit es DolbyB, DolbyC und dbx ausgestattet ist, jeweils doppelt verbaut, nämlich seperat für Aufnahme und Wiedergabe.
3HEAD - dafür, das Aufnahme und Wiedergabekopf getrennt in einem Gehäuse stecken.
D.D. QuarzLock - deutet auf einen quarzrefernzierten Direktantrieb hin.
Closed Loop Double Capstan - verweist auf die beiden Capstanwellen für eine geschlossene Bandschleife .

Zusammen mit dem 3-Motoren Antrieb, einer 2x18 Segmentanzeige von 3 Farben, einem eingebauten Tongenerator zur Bandkalibrierung und einstellbarer BIAS + Pegeldifferenz,
ist es das einzige Tapedeck von Technics, das über alle diese Merkmale verfügt.

Ähnlich liegen, RS-B905 ,  welches das B100 aufgrund von HX PRO (mit dbx) klanglich toppt.
Desgleichen RS-B965 (vorrausgesetzt man modifiziert paar OV und CMOS Schalter).
B965 hat aber auch das bessere Laufwerk !

Technics RS-B100 Idler
Technics RS-B100 Idler

Im Laufwerk liegt ein großer Schwachpunkt  vom B100,

Genauer gesagt  - in Gestalt  des zentralen Idlerrädchen mit einem kleinen Gummireifen.

Von hier aus wird das Laufwerk durch Abnutzung und den Zahn der Zeit allmählich gelähmt, wenn da kein Ersatz reinkommt.

Und der kann nur ein brandneues Gummiteil sein, ein Fall für Auftragsfertiger also.

Der Idler ist nur für den Wickelbetrieb zuständig, aber ohne geht's nicht.

 

Einen neuen Reifen könnt Ihr hier beziehen .

 

 Er wird von einem eigene Motor versorgt, und treibt über Drehmoment gesteuerten Schwenk die beiden Wickeltellerchen durch Reibung an.
Versagt es, weil das Lager Ärger macht (Verharzung), der Gummireifen hart und spröde ist, die Kupplung festgebacken, oder einfach nur jemand daran rum gefummelt hat...
... ist es vorbei, weil weder FF, noch REW funktionieren und auch PLAY versagt, den das Band wird nicht aufgewickelt.

Alles was dagegen hilft ist ein neuer Reifen und das Gerät nicht "totstehen" zu lassen.

Denn, immerhin EIN Riemen ist weggefallen  in dieser (letzten) Ausbaustufe des M250 Laufwerkes.
Der Kopfschlitten nicht via via Riemenantrieb bewegt, sondern hat einen eigenen Motor, der das über ein Zahnradgetriebe erledigt.
Riemen sind lediglich nötig um das Idler-Rad anzutreiben, sowie ein zweiter zwischen den beiden Schwungmassen der Capstanwellen.
Was einen einigartigen Effekt hat.
Die Operationen des Kopfschlittens sind superleise und wirken weich und gedämpft.
Etwa die Abschaltung am Bandende ist kaum zu hören.

Beim ersten Mal ist mir bisschen die Kinnlade runtergeklappt. Nicht "Klack" sondern "ssssd" - sehr leise.  


Ich hoffe das ich es gut über die nächsten Jahre bringen kann.

Der Plan sieht vor, es erst mal zu re-assemblieren um rauszufinden was ansteht.

Dann wirds wohl um die Mechanik gehen.. Motoren, Gelenke,.

Materialalterung - Gummiversprödung, Kunstoffschrumpfung.. etc...

Immerhin beide Riemen, Idlerreifen, Andruckrolle - konnte ich durch Neuteile ersetzen.

Last, but noch least, die elektronischen Bauteile - vorranging Elektrolytkondensatoren, Tantals, falls drin sind - Widerstände und Lötstellen.

Ums Silizium mache ich mir wenig Gedanken, Karma :-)
Für all das habe ich es zunächst erst mal gründlich untersucht, und natürlich den in 30 Jahren unvermeidlichen Belag entfernt.

Dem voraus gehen Fotos, die den Urzustand des Geräteinneren dokumentieren.

Danach gings mit einem Gebet und Seufzer ans Eingemachte.

Es ist immer mit Risiken verbunden ein Gerät zum ersten Mal zu zerlegen. Zumal es sich hier weder um einen Toaster handelt, noch etwas das, sollte was richtig schiefgehen, man sich mal auf die Schnelle wieder kaufen kann.

Schon aus dem Grund mache ich so gut es geht Bilder.

Da wäre zunächst mal das "Entkabeln" , also Lösen aller möglichen elektrischen Verbindungen um die Baugruppen voneinander trennen zu können.

Bei RS-B100 hat Technics nichts grundsätzlich anders gemacht, als an jedem anderen Gerät auch. Die meisten Kabel sind Flachbandkabel die mit speziellen Konnektoren verbunden sind. Man öffnet den Konnektor und kann das Kabel vorsichtig rausziehen. Dazu kommt das jeder Konnektor einen Buchstaben, und eine Markierung hat. Nahezu jedes Flachband ist einseitig verlötet und auf der anderen Seite in einem Konnektor.

Einfach, aber genial.

Nachdem alle Flachkabel gelöst sind, kann weiter geschraubt werden. Das ist schon eher tricky, weil verschiedene Schrauben verwendet werden.

Kunstoff wird nicht fester über die Jahre. Eher bröselig. Dreht man also eine nur minimal zu große Schraube irgendwo rein, dann kanns sein das es die letzte Schraube war die an besagter Stelle reingeleiert wurde.

Aus dem Grund sollte man hier richtig gut fotografieren und vor allem die Schrauben in Sortieboxen ablegen.

Zuerst kann man das Laufwerk entnehmen (Um es später seperat zu verarzten. Danach kommt die Front dran.

(Man sollte auch ein Service Manual haben und sich daran halten was darin steht, sofern man es nicht tausendprozentig besser weiß )

Dann erfolgt die intensive Naßreinigung der Teile, welche das erlauben !

Die Technics RS-B100 "Baustelle" ;-)

Hier seht Ihr  Nahaufnahmen vom Display, den Dolby (bzw. dbx) En-, und Decodern, sowie der Ansteuereinheit für die 3 Motoren.

In ingesamt 2 Anläufen kam das Herzstück, das Laufwerk auf den Tisch.

Da hab ich immer weniger Muffensausen, fühl mich irgendwie zuhause im M250 Laufwerk ;-)

Also habe ich zerlegt, gereinigt, entfettet und alles natürlich wieder andersrum.

(Beide Riemen waren bei Hewicker bestellt, aber den Capstanriemen hab ich dringelassen weil der noch völlig ok war) .

Für mich ergab sich vor allem das besagtes Idler-Rad natürlich ein Riesenproblem ist.

Man kann in dessen eigener Kupplung die Kräfte ganz vorsichtig so ändern das sich das für den Schwenk erforderliche Drehmoment ändert.

Da hat Technics bisschen Spielraum gelassen.

Dazu sollte man aber den Kraftfluß im Laufwerk auch bisschen verstehen.

(So wie der menschliche Körper für alles spezielle - Muskeln, Sehnen und Gelenke hat  - so viel anders ist das hier auch nicht, nur einfacher) .

Nur mal eben die Feder, welche das Idlerrad gegen den Antrieb drückt zu verkürzen ist leider ne billige "Lösung" .

Den Kupplungen gilt immer mein ganz besonderer Blick.

Zerlegen, reinigen, entfetten, mit Silikonfett Gleitflächen erneuern, sowie ggfls. die Filze erneuern.

Die Kupplungen dann probedrehen, die Kräfte richtig einschätzen (ich mach das nach über 35 Jahren rumfummeln nur noch nach Gefühl) .

Auch mal lauschen im Probeberieb ob sie wieder schön geräuschlos spielen.

Zum Gummi muß ich nicht viel schreiben. Alter Gummi wird niemals neu !!!

Ein wenig geht mit "MG Rubber Renue", erhitzen etc.

Vorsicht  mit dem was man tut, ist das Gummiteil ganz hin, hat man ein Problem.

Ich habe ich einiges vom Laufwerk über das SM hinaus dokumentiert und lege mal die entsprechenden Bilder bei.

Sie sollen vor allem aufzeigen, das es doch einiges zu beachten gibt, wenn man den Bandtransport bei diesem Laufwerk überarbeitet.

 

Am Ende steht der Zusamenbau des Recorders. Der geht im Grunde sehr einfach vonstatten, wenn man bisschen die Reihenfolge beachtet.

Wie oben erwähnt ist es sehr wichtig das jede Schraube wieder dahin kommt wo sie vorher war.

Auch zahlen sich Geduld und Fingerspitzengefühl aus.

Z.B. dreht man eine Schraube nicht einfach in den Kunstoff rein, sondern lässt sie "tasten", das sie Ihre "alten" Gänge wiederfindet und zieht erst am Ende ganz behutsam die Schraube so viel fest wie nötig ist.

... am Ende sollte es wieder so aussehen ;-)

Es ist selten wenn der Deckel eines Technics Gerätes mal so aussieht.

Ab Mitte der Achziger verwedeten sie ein ziemlich komisches Finish für die Deckel der Geräte und auch für die Frontblenden.

Es ist überaus empfänglich für Kratzer, Abdrücke von Gummifüßen, Lösungsmittel und sogar Licht.

 

Inzwischen sind auch bereits gut das erste Dutzend Elkos getauscht. Vornehmlich die kleinen Kapazitäten auf den Dolby/dbx Tochterplatinen fingen an Elektrolyt zu lassen, was man sehr gut an korrodierten Beinchen erkennen kann.

...es hat nun eine neue Heimstatt und darf die nächste Zeit noch bisschen werkeln.

Man kann drüber streiten ob man es in Watte und in einen Schrank packt.

Ich glaube, weder dafür noch für andere Absichten sind diese Geräte gemacht !

Konusuke Matsushita wollte nützliche Technik für kleine Leute erschwinglich machen indem er Waschmaschinen, Fernseher und Kühlschränke massenproduzieren ließ.

Obs nun auch Hi-Fi angeht ist schwer zu sagen, da er sich ja bekanntermaßen 1973 zurückzog.

Aber warum soll sein Unternehmen nicht in seinem Sinne weitergeführt worden sein ?

In Japan haben Traditionen großen Wert.

Viele Technics Geräte funktionieren auch heute nach über 30, oder sogar 50 Jahren noch klaglos und ohne Abstriche.

Womöglich ist das eher nicht im Sinne elitärer High-End Puristen und Vodoo Magier .

Das - und das die Marke Technics so oft als Hifi-Prekariat belächelt wurde, macht sie heute so interessant für mich ;-)